Eine Lernplattform sollte bestimmte Kriterien erfüllen

Eine Lern- und Organisations- Plattform dient dazu, alle Lern- und Organisationsprozesse in der Schule digital gestützt zu koordinieren. Dazu gehören Themen wie Datei-Management-Systeme, virtuelle Kursräume, Aufgabenmodule, Kommunikations-Funktionen wie Chat und Video-Integrationen, aber auch Online-Kalender, Entschuldigungsverfahren und kooperative Vorbereitung unter Kolleginnen und Kollegen.  

Neben den bekannten Lernplattformen wie z. B. Moodle oder itslearning haben alle Bundesländer eine empfohlene bzw. eigene Lernplattform für die jeweiligen Schulen eingerichtet. 

Diese Seite gibt einen Überblick darüber, welche Funktionen von einer Lernplattform abgedeckt werden sollten. Von einer Empfehlung einer konkreten Lernplattform wird allerdings abgesehen.  

Die Key Facts dieser Herausforderung

Organisations- und Lernmanagement von einer zentralen Plattform aus möglich

Alle alltäglichen Aufgaben (Organisation und Lernen), die Lehrer*innen, Schüler*innen und Eltern betreffen, sollten von einer zentralen Plattform aus zugänglich sein. Der Wechsel zwischen verschiedenen Plattformen mit unterschiedlichen Logindaten ist für ein einfaches Handling im Alltag nicht zu empfehlen.  Dies liegt mitunter daran, dass die betreffenden Personen mehrere Passwörter benötigen, um sich jeweils einzuloggen und sich merken müssten welche Plattform nun für welche Funktionsbereiche zu benutzten ist. Die verschiedenen Plattformen müssten separat voneinander mit Daten bespielt werden oder alternativ in ihren Funktionen miteinander kommunizieren. Für die Administration als auch für die Nutzer führt dies nur zu Schwierigkeiten.

Zugang mit einem Login

Es sollte möglich sein, sich mit nur einem Login auf der Plattform anmelden und dort alle nötigen Funktionen erreichen zu können. Von einem Wechsel zwischen unterschiedlichen Unterplattformen mit anderen Unter- Zugangsdaten ist abzuraten. Die Anmeldung und damit die Nutzung der Funktionen dauert nicht nur länger, sondern ist auch problematisch, denn mal ein Passwort vergessen wird. Werden unterschiedliche Logins verwendet, muss eventuell überall das Passwort erneuert werden, wenn sich ein Kind nicht mehr erinnern kann.

Funktionsversionen der Plattform für Schüler*innen, Lehrer*innen, Eltern und Administrator*innen

Sowohl Eltern, Schüler*innen als auch Lehrkräfte wie Administrator*innen sollten mit der Plattform arbeiten können. Die Anforderungen der vier Zielgruppen ist teilweise identisch, zum Teil aber auch spezifisch. Funktional sollte die Plattform alle Anforderungen der Nutzergruppen abdecken. Für die Lehrkräfte sollte beispielsweise die Zusammenarbeit mit den Kolleg*innen aber auch mit Kursen und Klassen machbar sein. Die Schüler*innen hingehen brauchen nur den Zugangsbereich zu den Kursen und Klassen. Die Organisationsfunktionen, wie beispielsweise die Kommunikation zwischen den Zielgruppen sollte trotz unterschiedlicher Funktionsversionen möglich sein. 

Funktionen für die Administrator*innen:

  • Schnittstellen zu Verwaltungssystemen der Schule für Datenimport 
    • Je nach Bundesland und Kommune werden die Schüler*innen- und Lehrer*innen- Stammdaten in unterschiedlichen Systemen gepflegt. Wichtig ist, dass die Plattform eine Schnittstelle zu diesen Systemen bietet. So können beispielsweise die Kurse und Klassen, die den Lehrkräften und Schüler*innen für ein neues Schuljahr zugeteilt werden, über einen Massenimport importiert werden. Wenn die Kurse schon vorangelegt sind, können die unterrichtenden Lehrer*innen direkt mit der Unterrichtsvorbereitung starten, ohne vorher erst die Schüler*innen händisch in die Kurse und Klassen importieren zu müssen. 
  • Lokale und globale Administrationszugänge 
    • Wenn die Schule die Administration der Plattform selbst übernimmt, ist es sinnvoll, dass es unterschiedliche Funktionszugänge für Administrator*innen gibt. 
    • Lokale Administrator*innen haben dabei weniger Rechte als globale. Eine Person, die die lokale Administration übernimmt, könnte beispielsweise die Stammdaten der Schüler*innen und Lehrkräfte pflegen, löschen oder bestimmten Gruppen zuordnen. Sie erhält aber keine Rechte für die globale Geräteadministration oder das Verteilen von Lernsoftware und Lizenzschlüsseln. 
    • Da die Schulen durch den Digitalpakt sehr viele Endgeräte erhalten werden, sind eine automatisierte Pflege und Wartung sinnvoll. Über das Gerätemanagement können die Geräte der Schüler*innen und Lehrer*innen in das schulische System eingelesen, registriert und dann je nach Belieben mit Updates, Einstellungen und Software bespielt werden.  
  • Gerätemanagement
    • Damit dies technisch möglich ist, muss das Gerät gewissen Kriterien entsprechen, die sich je nach Betriebssystem unterscheiden (Windows: TPM 2.0)- Verweis auf Seite mit Gerätekriterien Schüler*innen  Nötige Updates und Sicherheitseinstellungen werden automatisch (Updateverbot in der Schulzeit ist einstellbar) erneuert und zugeteilt. So verlieren die Lehrkräfte und die Eltern bzw. die Schüler*innen keine Zeit durch eine regelmäßige Update-Prüfung und kommen nicht in eine Situation , in der das Gerät nicht oder nur bedingt funktionstüchtig ist.
    • Es gibt zudem einen Prüfungsmodus auf den verwalteten Geräten, der aktiviert und deaktiviert werden kann, sodass Online-Klausuren möglich sind oder gewisse Funktionen des Gerätes als Hilfsmittel genutzt werden können.
    • Der Vorteil: Lernsoftwares oder Programme müssten somit nicht manuell eingerichtet werden. Alle Lehrkräfte und Schüler*innen haben gesichert bestimmte Programme zur Verfügung und sind voll arbeitsfähig.
    • Den Geräte-Administrator*innen ist es möglich, die verwalteten Geräte bestimmten Gruppe zuzuweisen. Diese Gruppen erhalten dann ein fest definiertes Paket an Rechten, Softwares oder Einstellungen.
  • Single Sign-on von externen Programmen und Lernsoftwares 
    • Die Lernsoftwares und Programme sollten über einen Store oder in Lizenzverträgen erworben und dann verteilt werden können. Bei Anbietern, die ihre digitalen Produkte nicht verteilbar machen, ist es hilfreich, wenn die Plattform einen Single Sign-on unterstützt. Dadurch kann die Lernsoftware über einen Link in dem betreffenden Kurs oder der Gruppe abgelegt werden, sodass die Schüler*innen und Lehrkräfte von dort aus über einen Klick Zugriff haben (Öffnung beispielsweise in einem neuen Tab im Browser). 

Funktionen für die Lehrer*innen: 

  • Bereiche für die Zusammenarbeit mit Kolleg*innen und Klassen / Kursen 
    • Arbeitsgruppen mit Lehrkräften und Kursen / Klassen sollten gut sichtbar voneinander getrennt dargestellt werden, damit z. B. Materialien, die für Kolleginnen und Kollegen gedacht sind, nicht in einer Schüler*innen-Gruppe hochgeladen werden. 
    • Lehrkräfte sollten Schüler*innen sowie Kolleginnen und Kollegen in ihre Kurse und Arbeitsgruppen einladen könnten. Das sorgt für eine Entlastung der Administration.  
  • Upload, Organisation und Verarbeitung von Material 
    • Das Anlegen und Verändern von Ordnerstrukturen 
    • Das Hochladen und Verschieben von Materialien an verschiedene Speicherorte 
    • Individuelle Rechtevergabe für Materialien und Ordner: nur lesen, von allen bearbeiten, von bestimmten Personen bearbeiten, nur von Lehrkräften einsehbar, jederzeit veränderbar 
    • Organisation von Orten digitaler Zusammenarbeit durch einzelne Personen / Kleingruppen 
    • Das Teilen und Austeilen von Materialien durch bestimmte Personen oder ganzen Klassen / Kursen / Arbeitsgruppen 
    • Feedback / Bewerten von Material 
    • Individuelle Benachrichtigungseinstellung beispielsweise bei erfolgreichen Abgaben 
    • Archivierter Zugriff auf Materialien der vergangenen Jahre 
  • Kommunikation mit einzelnen Personen, Teilgruppen und ganzen Kursen, Klassen oder Arbeitsgruppen sowie Eltern 
    • E-Mail-Adresse für Lehrer*innen und Schüler*innen 
    • Chats zur alternativen Kommunikation: Einzelpersonen, Kleingruppen, Klassen / Kurse / Arbeitsgruppe. Vorteil: Themenspezifische Unterhaltungen können von jedem Mitglied nachgelesen werden. Zudem verhindern sie das Re-Re-Re-Mailing-Ping-Pong. 
    • Videomeetings mit Einzelpersonen, Kleingruppen, Klassen / Kursen, Arbeitsgruppen 
  • Organisationsmanagement
    • Individuelle Benachrichtigungseinstellung über Abgaben / Aufgaben / Termine 
    • Terminkoordination über Online-Kalender, z. B. Meetings  
    • Einsicht von Stundenplan und Vertretungen 
    • Prüfungstermine, Sprechstunden 
    • Räume und Ressorcen buchen 
    • Digitales Klassenbuch / Kursheft 
    • Digitale Noteneingabe und -verwaltung 
    • Kooperativer Ort für Schüler*innenbemerkungen 
    • Entschuldigungsverfahren + Fehlzeitenbuchung 
    • Vergabe und Korrektur von Online-Klausuren 
    • Bezahlmöglichkeiten / Geld einsammeln + Bezahlkontrolle (Liste der noch Fehlenden) 
    • Elternbriefe verteilen und Kontrollfunktion (Lesebestätigung, Unterschrift) 
    • Digital buchbare und auf Wunsch auch durchführbare Sprechzeiten und Sprechtag

Funktionen für Schüler*innen: 

  • Übersicht der belegten Kurse 
  • Lernmanagement
    • Zugang und Bearbeitung zu eingestellten Materialien und Aufgaben in den Kurse / Klassen 
    • Zusammenarbeit an Materialien, die von Lehrkräften und Mitschüler*innen geteilt wurden 
    • Kommunikationsmöglichkeiten mit einzelnen Personen, Teilgruppen und ganzen Kursen, Klassen oder Lehrkräften per Mail, Chat und Video 
    • Digitale Zuschaltung in den Kursraum bei Krankheit / Abwesenheit 
    • Zugriff auf archivierte Materialien der vergangenen Jahre  
  • Organisationsmanagement
    • Individuelle Benachrichtigungseinstellung über Abgaben / Aufgaben / Termine 
    • Einsicht von Stundenplan und Vertretungen 
    • Terminkoordination über Online-Kalender: Meetings, Prüfungstermine, Sprechstunden 
    • Online-Wahlen: Kurse, Projekte, AG-Angebote 
    • Entschuldigungsverfahren + Fehlzeiteneinsicht 
    • Leistungsstand-Einsicht 
    • Bearbeitung von Online-Prüfungen 
    • News der Schule 

Funktionen für Eltern: 

  • Digitale Kommunikation mit unterrichtenden Lehrer*innen / Koordinator*innen / Schulleitung / Sekretariat 
  • Krankmeldung, Entschuldigungsverfahren + Fehlzeiteneinsicht 
  • Einsicht der Leistungsstände 
  • Digital buchbare und auf Wunsch auch durchführbare Sprechzeiten und Sprechtage bei Lehrkräften 
  • Geld bezahlen 
  • Elternbriefe unterzeichnen und einreichen 

Einfache und schnelle Handhabung sowie übersichtliches Design

  • Die Plattform sollte schnell zugänglich sein und Effizienz sowie Ökonomie in den Arbeitsabläufen herstellen können. Lange Ladezeiten oder zusätzliche Unterlogins verhindern die schnelle Handlungsfähigkeit, die im schulischen Alltag an erster Stelle steht.  
  • Außerdem sollte die Plattform so aufgebaut sein, dass durch eine gute Navigation zwischen den einzelnen Funktionen schnell hin und her gewechselt werden kann. Eine gute Erkennbarkeit der gesuchten Funktionen und deutsche Wörter, die die Funktion beschreiben, tragen zudem zur Benutzerfreundlichkeit bei. Aufgaben und Inhalte müssen von allen Beteiligten schnell gefunden und bearbeitet werden können. 

Multilingualität

Die Lernplattform sollte mehrere Sprachen zur Auswahl bieten. Neben der Menüführung sollten sich alle Nachrichten und die Kommunikation in die unterschiedlichen Sprachen übersetzen lassen. 

Dezentral / von überall bzw. jedem Gerät aus zugänglich

Wichtig ist, dass die Funktionen, die die Plattform bietet, überall (Örtlichkeit) und auf jedem Gerät geboten werden. Möchte beispielsweise eine Lehrkraft von zu Hause aus ein bestimmtes Material oder einen Raum buchen, sollte das genauso möglich sein wie in der Schule. Oder wenn ein Kind sein schulisches Endgerät nicht dabei hat, aber gerne eine Sprechstunde mit einer Lehrkraft buchen möchte, sollte dies auch auf seinem Handy oder einem anderen Gerät und unterwegs funktionieren. 

DSGVO-konform

Die Datenschutzgrundverordnung kommt dann zum Tragen, wenn personenbezogene Daten verarbeitete werden. Somit ist es unerlässlich, dass die Plattform die DSGVO vollumfänglich umsetzt. 

Betriebssystemunabhängig

  • Die Plattform sollte mit allen gängigen Betriebssystemen (auch mobil) funktionieren, sodass diese von nahezu allen Endgeräten genutzt werden kann.  
  • Gerade, wenn die Schule nicht über flächendeckende Geräteausstattung verfügt, nutzen die Schüler*innen und Lehrkräfte private Geräte aller Art. Die Plattform muss für jede Person stets erreichbar sein, egal, ob vom Handy, Tablet oder PC aus. 
  • Mobile Versionen ermöglichen die standortunabhängige Nutzung auf dem Tablet oder Handy, damit nicht immer der Laptop genutzt werden muss. Das bietet viele Vorteile und ermöglicht eine schnelle Handlungsfähigkeit. Vielleicht möchte ein Kind im Online-Kalender eine Klassenarbeit einsehen, wenn es sich zum Spielen verabredet. Oder ein Elternteil will die Krankmeldung des Kindes direkt im Wartezimmer der Arztpraxis tätigen.  

Service und Support des Anbieters

  • Der Hersteller sollte über eine eigene Support- und Service Anlaufstelle verfügen. Die Lern- und Organisationsplattform ist bei der Schule Arbeitsgrundlage, sodass Störungen den Betrieb lahmlegen.
  • Neben der Bereitstellung von Softwareupdates und technischen wie funktionalen Verbesserungen durch die aktive Betreuung der Plattform vom Anbieter ist der Support aber genauso wichtig.
  • Administrator*innen, die sich um die Einrichtung und Betreuung der Plattform kümmern, sollten stets Ansprechpartner zur Verfügung haben. Hier wird der schriftliche E-Mail wie auch ein Telefonkontakt empfohlen. Kurze Reaktionszeiten spielen in der Supportleistung eine entscheidende Rolle.
  • Noch besser wäre natürlich, wenn es auch einen Support für Lehrkräfte gibt. Da dies von den Plattformanbietern aber meist nicht bereit gestellt werden kann, ist dies keine notwendige Eigenschaft. 

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